Mein erster Flug über den Äquator am 10. Juni 1975


1962 wurde in Mosambik die Freiheitsbewegung FRELIMO gegründet. Je stärker die Portugiesen an ihrem Kolonialbesitz festhielten, um so entschiedener wurde der Widerstandswille der FRELIMO. 1964 gingen die Widerstandskämpfer unter der Führung von Samora Moises Machel, dem spätere Präsidenten der VR Mosambik, in den bewaffneten Kampf über, der im Norden sehr erfolgreich endete. Doch erst nach der Nelkenrevolution und dem Sturz des diktatorischen Regimes in Portugal erlangte Mosambik am 25. Juni 1975 nach knapp 500 Jahren als Kolonie die Unabhängigkeit.

Mit der Proklamierung der Unabhängigkeit Mosambiks vereinbarten Mosambik und die DDR die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

In Vorbereitung zur Unabhängigkeit war bereits vorher an der "Münze der DDR" die neue Landeswährung in Auftrag gegeben worden. Wer auf diesem Sonderflug der Interflug über die Fracht bescheid wusste, kann ich nicht sagen. Mir wurde es erst bewusst, als die kostbare Fracht in Lourenco Marques (dem späteren Maputo) unter strenger Bewachung von FRELIMO-Soldaten ausgeladen wurde.

Samora Machel ist in der Nacht zum 20. Oktober 1986 auf dem Rückflug von Lusaka nach einer Konferenz der Afrikanischen Nationalstaaten bei einem misteriösen Flugzeugabsturz über der südafrikanischen Provinz Natale ums Leben gekommen.

Der Kairo-Airport. Etwas staubig, aber man muss niemals das Flugzeu enteisen.
Dafür kann ein Sandsturm sehr unangenehm werden.

Wir fahren über die große Nil-Insel Zamalek. Auf ihr stehen z.B. der Kairo-Tower und verschiedene Museen.

Panoramablick durch die Frontscheibe unseres Taxis. Die City von Kairo mit dem Kairo-Tower.

Das Hotel Mehna-House ist beliebt, weil einem die Pyramiden von Gizeh zu Füßen liegen.
Wir sind am 09. Juni 1975 nach Kairo vortransportiert worden. Um die Strecke nach Mosambik ohne weitere Übernachtung zu bewältigen, flogen wir mit Dooppelbesatzung bis auf den Bordingenieur Dieter Frick. Der verantwortliche Captain war Flugbetriebsdirektor Kurt Fischer. Bei ihm flog Dieter Sachse II als 1. Flugzeugfüherer. Ich flog bei Captain Peter Schulze rechts. Die Navigatoren waren Horst Tauchnitz und Helmut Hass. Beim Transport vom Flughafen zum Hotel hatte ihr Taxi eine Reifenpanne und wir machten uns Sorgen, als sie nach einer halben Stunde immer noch nicht angekommen waren. Die "gute Fee" an Bord war Roswitha Thieme.

Um im Zeitplan zu bleiben sind wir 01:10 Uhr in der Nacht mit unserer Il-18D DM-STM in Kairo gestartet. Die Flugroute nach Mosambik führte an der afrikanischen Ostküste lang über Karthoum, Addis Abeba und Daressalam, mit Zwischenlandung zur Betankung in ADD und DAR.

Wir waren die halbe Nacht von Kairo nach Addis Abeba unterwegs und sind

morgens bei guter Sicht auf dem über 2000 m hohen Airport ADD gelandet.


Auf unserer zweiten Etappe von Addis nach Daressalam überfliegen wir nicht nur den Äquator, sondern auch einige der schönsten Landschaften Afrikas, wie das äthopische Hochland (2500 m - 4200 m hoch) und das von Kenia und Tansania mit dem Mt. Kenia (5200 m) und dem Kilimandscharo (5985 m), östlich vorbei am Serengeti Nationalpark in Tansania.
Den Äquator kreuzen wir 150 km vor Nairobi. Wie wir alle aus der See- und Luftfahrt wissen, erkennt man den Äquatorverlauf an der roten Linie auf der Erde oder auf dem Wasser. Ich werde in's Bordbuffet geholt und bekomme meine Äquatortaufe von Neptun und der hübschen Luftjungfrau Roswitha. Ich muß niederknieen, werde eingeseift, abgekratzt und muß einen scheußlich schmeckenden Trunk leeren. Alle die an der Prozedur teilnehmen können haben ihren Spaß daran. Nach Verlesen und Überreichen der Urkunde darf ich wieder im Cockpit rechts meinen Platz einnehmen.
Als Captain habe ich Jahre später selbst Freude daran, bei anderen den Neptun zu spielen. In Brassaville haben wir die Äquatortaufe in das Hotel verlegt. Da wurde die Kandidatin/der Kandidat zusätzlich noch in den Pool geworfen.




Am Kilimandscharo holt der Navigator die Erlaubnis ein, einmal um den Kilimandscharo herum fliegen zu dürfen. Wir dürfen und fliegen eine 360-Kurve. Wer Zeit hat, "klebt" am Fenster und fotografiert. Auch ein Grund, warum mir dieser Flug unvergesslich bleibt.

Der internationale Flughafen von Daressalam

Daressalam und der Hafen

Noch mal der Hafen

Wir sind gelandet, um aufzutanken.
Auf der letzten Etappe von Daressalam nach Lourenco Marques folgen wir ungefähr der südostafrikanischen Küste nach Süden. Es sind immerhin noch 2350 km. Kurz nach Überflug der Stadt Mtwara im Süden Tansanias erreichen wir die Grenze zu Mosambik am Rovuma-River. Markante Überflugspunkte waren das Sambesi-Delta und die Hafenstadt Beira. Vor der Küste von Lourenco Marques liegen zahlreiche Inseln in der Meeresstraße von Mosambik.
Lourenco Marques liegt mit Johannesburg auf gleicher südlicher Breite (2552' und 2556').

Der Sambesi spült eine Menge Sand in den Ozean.

Je mehr wir nach Süden kommen, um so mehr Inseln sehen wir an der Küste.

Die gesamte Strecke von Kairo über Addis
Abeba und Daressalam bis Lourenco Marques.

Ein Erinnerungsfoto mit dem FRELIMO-Offizier gehört dazu.
Sachse Dieter II und Kurt Fischer links, ich rechts.
Wir erreichten den Flughafen am späten Nachmittag. Das Entladen der Fracht dauerte auch zwei Stunden. Mit Transport zum Hotel und Check-in wurde es spät. Ich erinnere mich noch daran, dass wir verwundert zur Zimmeretage mit dem Lift nach unten fuhren. Am nächsten Morgen staunte ich nicht schlecht, als ich auf den Balkon ging und den Indischen Ozean direkt vor mir hatte.
Auf dem Rückflug folgen wir der gleichen Streckenführung. Wir sind um die fehlende Fracht leichter und können deshalb schneller und höher fliegen.
Auf der Flugetappe von Addis Abeba nach Kairo, die wir auf dem Hinflug nachts geflogen waren, habe ich doch noch Gelegenheit, ein paar Dias vom Nil zu machen.

Inseln im Assuanstausee.

Der Nilbogen und der Airport bei Luxor.
Dieser Beitrag wurde von mir am 16. Februar 2010 abgeschlossen. Alle Fotos sind von Gerd Sprieß und unterliegen dem Urheberrecht im Falle einer Weiterverwendung. Sollten beteiligte Personen auf den Bildern mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sein, bitte ich um eine Nachricht per E-Mail an gspriess@gmx.de.

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